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Disziplin & Zähneputzen

3 Minuten Lesezeit

 

Wie stark beeinflusst meine Disziplin meinen Alltag? Was genau bringt mir Disziplin und wie kann ich diese am besten trainieren?


Die Gedanken zu diesem Artikel kamen mit vergangene Woche beim Zähneputzen. Es war morgens um 8:15 Uhr und ich stand vor dem Waschbecken und war gerade dabei meine Zähne zu putzen. Gedanklich ließ ich den letzten Tag Revue passieren und stellte fest, dass ich am Abend zuvor meine Zähne nicht geputzt hatte. Ich war an dem Abend noch in der Stadt unterwegs und bin anschließend spät nach Hause gekommen. Als Folge dessen hatte ich mich einfach nur noch ins Bett fallen lassen, ohne mir die Zähne zu putzen.

 

Eigentlich ist das ja auch nicht weiter schlimm, dachte ich zumindest. Es hat keiner gesehen, es stört keinen und morgen früh hole ich das schon nach.


Aber funktioniert das tatsächlich immer so? Kann ich nicht erledigte Dinge aufschieben ohne das sie eine größere Auswirkung erzielen? 


Was passiert wenn ich das beim Zähneputzen öfters mache? Ich werde nachlässig und mir passiert dieses „Vergessen“ circa einmal pro Woche. Nach einer Zeit wird für mich das Aufschieben des Zähneputzens einmal pro Woche zum „Standart“ und ich habe mich daran gewöhnt. Wenn man das jetzt einmal weiter spinnt, stellt man fest, dass man aus Bequemlichkeit ja auch eigentlich öfters darauf verzichten könnte, es fällt ja eh nicht auf.


Zunächst mag man diese kleine Auswirkung nicht mitbekommen, aber das Zahnfleisch leidet in regelmäßigem Abstand, die Farbe der Zähne färbt sich immer „schöner“ und die angeblich unauffällige Nachlässigkeit wird auf einmal sichtbar. 


Ich bin kein Zahnarzt und kann das mit Sicherheit nicht genau beurteilen, aber man korrigiere mich gerne, sofern ich faktisch falsch liegen mag. 

Im Anschluss habe ich diese Frage für mich gedanklich erweitert und bin dadurch auf das Thema „Disziplin“ gestoßen. 


Warum?


Das Beispiel des Zähneputzens kann ich auch auf andere Bereiche und Aufgaben in meinem Leben übertragen. Egal ob es sich dabei um einfache Dinge im Alltag handelt, Aufgaben auf der Arbeit oder Routinen, die ich mir bewusst angewöhnt habe. 

Disziplin ist notwendig um sowohl in Hoch- als auch Tiefphasen der täglichen Arbeits- und Lebensrealität kontinuierlich produktiv und erfolgreich zu sein. Nur so können wir ein nachhaltiges Durchhaltevermögen aufbauen. 


Aber warum genau ist Disziplin so wichtig und worum geht es eigentlich?

Einfach gesagt zielt Disziplin auf die Fähigkeit ab, eine spätere Belohnung einer sofortigen Belohnung vorzuziehen. Man sollte im Arbeitskontext also nicht der Belohnung der „Trägheit“ folgen, sondern die Disziplin bewahren um ein wertvolleres Outcome zu erzielen.


Der Innsbrucker Professor für experimentelle Wirtschaftsforschung Matthias Sutter, führte zur Bedeutung von Selbstbeherrschung, in seinem Werk "Die Entdeckung der Geduld – Ausdauer schlägt Talent" eine umfassenden Analyse durch. Darin kam er zu dem verblüffenden Ergebnis, dass tatsächlich Selbstbeherrschung für den persönlichen Erfolg viel wichtiger ist als Intelligenz und Talent.

Grundlage seiner Forschung war das allgemein bekannte Marshmallow Experiment, in dem Kinder der Versuchung ausgesetzt werden, ein Marshmallow zu essen, oder darauf zu verzichten und ein Zweiten zu erhalten. 


Das Ergebnis dieses Experiments zeigte sich erst 20 Jahre später. Die Kinder, welche in dem Versuch Disziplin bewiesen, hatten im Schnitt bessere Schulnoten, waren schlanker, nahmen seltener Drogen und hatten häufiger einen Uni-Abschluss. Andere Studien zu diesem Thema brachten ähnliche Ergebnissen hervor. 


Diese Feststellung ist eigentlich sehr paradox zu unserer heutigen Art und Weise zu Leben. Alles um uns herum wird immer schnelllebiger. Zum Einkaufen sind nur noch wenige Klicks notwenig. Die Kommunikations- und Reisewege sind immer schneller und doch entscheidet die Disziplin und Geduld im Alltag über Erfolg und Misserfolg.


Wenn wir uns dessen bewusst werden und uns auf diese Tugend besinnen, können wir es schaffen einen gesunderen und produktiveren Alltag zu leben.